In
Freitag, 04.11.22 / 13:00-15:00 / CAU-WiZe-Siemens+Einstein
Symposium
Ebene der Lehrentwicklung
Hochschullehre gemeinsam bewegen: Perspektiven auf partizipative Lehrentwicklung
Angela Weißköppel (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Ana Donevska-Todorova (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Katrin Dziergwa (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Katharina Simbeck (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Pelin Celik (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Katja Ninnemann (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Sally Paege (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Jona Piehl (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Kathrin Rabsch (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland)
Lehrentwicklung, Partizipation, Curriculumsentwicklung, Innovatives Lernraumdesign, Community Building

Hochschulen stehen aktuell vor der Aufgabe, die Veränderungsimpulse und Erfahrungen aus der Pandemie aufzunehmen sowie Zukunftskonzepte für die Lehre zu entwerfen. Dem Konzept der pädagogischen Hochschulentwicklung folgend sollte dieser Wandel die Ebene der Individuen ebenso einbeziehen wie die Ebene der Studienprogramme und der Hochschule als Ganzes. Diese drei Ebenen der pädagogischen Hochschulentwicklung sind eng miteinander verwoben und stehen in engem Bezug zu den strategischen Zielen für Studium und Lehre (Brahm et al., 2016). Dadurch wird auch deutlich, dass Lehrentwicklung eine Gemeinschaftsaufgabe ist, die der Beteiligung möglichst vieler Akteur*innen bedarf.

Vor diesem Hintergrund widmet sich Symposium der Frage, wie Lehrentwicklung partizipativ gestaltet werden kann. In drei Beiträgen werden aktuelle Veränderungsvorhaben aus dem Curriculum Innovation Hub der HTW Berlin vorgestellt. Diese fokussieren jeweils unterschiedliche Ebenen der pädagogischen Hochschulentwicklung. Der Beitrag „Entwicklung von Lehrmaterialien für individualisierbare Lernverläufe“ stellt ein Projekt zur Entwicklung individueller Lernpfade innerhalb eines Curriculums vor und fokussiert Formate, mittels derer Lehrende und Studierende in die Weiterentwicklung konkreter Lehrveranstaltungen einbezogen werden können. Die Gesamtorganisation Hochschule adressiert der Beitrag „Methoden und Prozesse partizipativer Lernraumgestaltung“. Er beschreibt und reflektiert, wie Studierende, Lehrende und weitere Stakeholder gemeinsam und ko-kreativ Lernräume weiterentwickeln können und so Rahmenbedingungen für neue, postpandemische Lehr-Lernwelten schaffen. Wie die Dissemination und der Transfer von Lehrentwicklungsvorhaben auf individueller Ebene sowie auf Ebene von Curricula und der Gesamthochschule hinein gefördert werden können, beleuchtet der Beitrag „Curriculumsentwicklung durch Community Building“. Dabei geht es um die Nutzung und den Austausch kollektiven Wissens im Feld Lehre, um so Lehrentwicklung auf der Ebene der Organisationskultur zu stärken.

Zu Beginn des Symposiums wird das Thema partizipative Lehrentwicklung zunächst theoretisch verortet, gefolgt von den drei Themenbeiträgen mit einem jeweiligen Fragenblock sowie einer finalen Diskussionsrunde im Anschluss. Im Rahmen des Symposiums lernen die Teilnehmenden Herangehensweisen und Gelingensbedingungen für partizipative Lehrentwicklung aus verschiedenen Perspektiven kennen und werden diese gemeinsam mit den Beitragenden reflektieren und Transferoptionen für das eigene professionelle Handeln in Lehrentwicklungsprozessen entwerfen.

Entwicklung von Lehrmaterialien für individualisierbare Lernverläufe unter Einbeziehung von Lehrenden und Lernenden
Ana Donevska-Todorova (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Katrin Dziergwa (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Katharina Simbeck (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland)

Die komplexen Herausforderungen in Bezug auf die heterogenen Wissensstände, Lernstile und Lerntempos von Studierenden können mit Strategien des adaptiven Lernens angegangen werden (Donevska-Todorova et al., 2022). In diesem Projekt wird durch adaptives Lernen der individuelle Lernfortschritt in selbst-regulierten Lernpfaden in Grundlagenfächern gefördert. Ziel ist es, frühe Dropouts zu verhindern und die aktive Partizipation und Beteiligung aller Lernenden zu erhöhen, einschließlich derjenigen mit geringeren Leistungen oder unzureichendem Vorwissen. Adaptives Lernen ist ein relativ neues wissenschaftliches Feld und seine didaktischen Potenziale sind noch nicht vollständig bekannt. Das eröffnet Möglichkeiten für weitere multidisziplinäre Forschung und die Einbeziehung von Fachdidaktik, Learning Analytics und Learning Management Systemen (LMS) in die praktische, innovative Hochschullehre.

Vorab haben wir Lehrende in zwei Fachbereichen unserer Hochschule durch einen Fragebogen zur Identifikation von Lernzielen in den unterschiedlichen Grundlagenkursen einbezogen. Ausgehend davon, kreieren wir digitale Lehr- und Lernangebote im LMS Moodle, die zum Erwerb von fachspezifischen Kompetenzen der Lernenden beitragen und gleichzeitig den Arbeitsaufwand der Lehrenden reduzieren können. Erfahrungen mit Tests dienen weiter als Quellen, um typische Fehler und Missverständnisse zu identifizieren und die Weiterentwicklung von den adaptiven Feedbacks und den Lernpfaden zu unterstützen. Um quantitative und qualitative Daten effizient erzeugen, analysieren, bewerten und nachnutzen zu können, verwenden wir Methoden des Design Research. Dies ermöglicht nicht nur vielfältige zyklische Neu- und Weiterentwicklung von den digitalen Lernangeboten innerhalb eines Moduls und auch in mehreren Modulen und Studiengängen, sondern auch die Erforschung von komplexen Phänomenen in der modernen Hochschullehre.

Methoden und Prozesse partizipativer Lernraumgestaltung
Pelin Celik (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Katja Ninnemann (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Sally Paege (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Jona Piehl (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland)

Ziel des Teilprojektes Innovatives Lernraumdesign im Projekt Curriculum Innovation Hub an der HTW Berlin ist die Neugestaltung von Seminarräumen, die hybride Lehrveranstaltungen mit studierendenzentrierten Lehr- und Lernformaten ermöglichen und dabei eine positivere Learning Experience sicherstellen, in der sich Studierende und Lehrende wohlfühlen und damit der Lernerfolg unterstützt werden kann. Aktuelle Beispiele in der Praxis zeigen, dass bei der Gestaltung hybrider Lernumgebungen die Umsetzung innovativer Lehr-/Lernmethoden durch frontale Settings erschwert wird sowie das Wohlbefinden über räumliche Gestaltungsfaktoren nicht mitgedacht wird – entgegen bestehender Forschungserkenntnisse zum Zusammenhang von Wohlbefinden und Produktivität bei Lern- und Arbeitsprozessen. Das Projekt fokussiert dabei einen systemischen und partizipativen Ansatz mit der Berücksichtigung der vier DORT-Perspektiven – Didaktik, Organisation, Raum und Technik.

In Zusammenarbeit der zwei Fachbereiche Ingenieurswissenschaften sowie Gestaltung und Kultur werden vier Modellräume konzipiert und implementiert, um verschiedene Lösungsansätze experimentell zu untersuchen. Um innovative und nachhaltige Ansätze zu gewährleisten, werden im Projekt partizipative Methoden einer nutzer*innenzentrierten Gestaltung angewendet. So wurden beispielsweise bereits bei den Projektvorbereitungen Interviews mit Lehrenden, Studierenden und Stakeholder*innen geführt, damit deren Anforderungen bei der Raumkonfiguration wie auch bei Nutzungsmöglichkeiten von neuen Lernumgebungen berücksichtigt werden können. Mit unserem Beitrag zeigen wir Herausforderungen und Chancen partizipativer Methoden zur (Weiter)Entwicklung zukunftsfähiger Lernumgebungen an Hochschulen und diskutieren mit den Beteiligten strategische Ziele und Meilensteine bei Innovationsprozessen.

Curriculumsentwicklung durch Community Building: Kollektives Wissen durch Partizipationsprozesse nutzbar machen
Kathrin Rabsch (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland), Angela Weißköppel (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Deutschland)

Die Hochschullehre hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Um das vorhandene Wissen und die Erfahrung von Lehrenden zu bündeln sowie den fächerübergreifenden Austausch zu fördern, wird im Projekt Curriculum Innovation Hub eine Community of Practice (CoP) von Lehrenden aufgebaut. Durch das Fördern von Austausch, gemeinsamem Lernen sowie Teilen von Best Practices soll die Weiterentwicklung von Lehrkonzepten sowie der Curricula vorangebracht werden. CoPs (nach Wenger & Wenger-Trayner, 2015) sind Gemeinschaften, die ein gemeinsames Anliegen oder eine Leidenschaft für etwas haben, das sie tun und durch regelmäßigen Austausch lernen, wie sie im Rahmen ihrer gemeinsamen Praxis besser arbeiten können. Dieses Konzept, das bislang wenig Anwendung im Rahmen von Lehre und Lehrentwicklung an Hochschulen fand, dient dem Vorhaben als theoretische Stütze.

Zur empirischen Fundierung des Vorhabens werden Daten erhoben, welche Bedarfe und Gegebenheiten für den erfolgreichen Aufbau der Community relevant sind. Dazu werden Fokusgruppen und Interviews mit Lehrenden unterschiedlicher Fachgebiete durchgeführt. Zentrales Erkenntnisinteresse ist herauszufinden, welche Bedingungen gegeben sein müssen und welchen Mehrwert die Community haben muss, um Lehrende für die aktive Teilnahme und Mitarbeit an dieser Community zu gewinnen. Auf Basis der erhobenen Daten werden Aktivitäten an der HTW Berlin geplant und durchgeführt, die den Aufbau der Community unterstützen sollen sowie zeigen, welche Themen und Aspekte für Lehrende in einer solchen Community relevant sind.

In diesem Beitrag werden die Ergebnisse der Befragungen und die daraus resultierenden Erkenntnisse für den Aufbau sowie die Konsolidierung der Lehrenden-Community an der HTW Berlin präsentiert. Zudem werden durchgeführte und geplante Maßnahmen vorgestellt und reflektiert. Die Erfahrungen im Aufbau dieser Community können die Konferenzteilnehmenden dabei unterstützen und inspirieren, ähnliche Vorhaben umzusetzen.