In
Donnerstag, 03.11.22 / 14:30-16:30 / FH-C18-1.02
Symposium
Ebene der Lehr-Lern-Prozesse, Ebene der Lehrentwicklung
Studieren unter Segeln - hart am Wind Richtung Zukunft. Ein Interdisziplinäres Modul der FH Kiel als Good Practice Beispiel
Kerstin Hoffmann (FH Kiel, Deutschland), Dr. Christiane Metzger (Fh Kiel), Prof. Dr. Olaf Neumann (FH Kiel), Prof. Dr. Harald Jacobsen (FH Kiel), Lea Hennemann (FH Kiel), Prof. Dr. Katharina Scheel (FH Kiel)
Interdisziplinarität, Lehrentwicklung, Segeln, Reflektion, Kommunikation

Interdisziplinäre Lehre ist seit Langem im Leitbild der FH Kiel verankert und findet ihren Ausdruck u.a. in vielfältigen interdisziplinären Lehrveranstaltungen, die Studierende auf Anforderungen und Probleme einer komplexen Welt vorbereiten. Das Symposium zeigt am Beispiel des überfachlichen Moduls „Studieren und Segeln“, wie sich gesellschaftliche Fragestellungen in interdisziplinäre Lehransätze integrieren lassen und wie bei der Umsetzung Lehrentwicklung und Lehrpraxis verzahnt sein können.

In dem Modul bearbeiten interdisziplinäre Studierendenteams zukunftsrelevante Fragestellungen, die z.B. von den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ostsee über technologische Lösungsansätze bis zum Klimaschutzrecht reichen. Hauptziel des Moduls ist es, dass die Studierenden die Multiperspektivität des Modulthemas bezogen auf das von ihnen bearbeitete Kernthema und darauf bezogen inhaltliche Querschnittsthemen (z.B. gesellschaftliche Transformationsprozesse, Ethik, ökonomische Aspekte) darlegen können. Sie können Bezüge zwischen dem Modulthema und Themen ihres Studiengangs herstellen, indem sie ihr erworbenes Wissen auf handlungsrelevante Felder ihres Studiengangs übertragen. Auf diese Weise erwerben die Studierenden Kompetenzen, um gesellschaftlichen Wandel aktiv mitzugestalten. Nach der semesterbegleitenden interdisziplinären Arbeit an den Themen stellen sich die Teams ihre Arbeitsergebnisse im Rahmen eines einwöchigen Segeltörns auf der Ostsee vor.

An der Durchführung des Moduls sind Lehrpersonen unterschiedlicher Fachbereiche beteiligt, deren verschiedenen Perspektiven das Symposium zeigt. Die Diskussion beleuchtet aus Sicht der Lehrentwicklung, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um bei der Ausgestaltung des Moduls möglichst über die Addition disziplinärer Wissensbestände hinaus zu gehen und eine Kultur des Zusammenwirkens und des wechselseitigen Lernens verschiedener Fachdisziplinen zu ermöglichen und welche Aspekte von Interdisziplinarität dabei relevant sind.

Studieren unter Segeln - Unmittelbare Praxiserfahrung an der Fachhochschule Kiel
Prof. Dr. Olaf Neumann (FH Kiel), Prof. Dr. Harald Jacobsen (FH Kiel), Lea Hennemann (FH Kiel)

In diesem Beitrag wird gezeigt, wie Studierende verschiedener Studiengänge und auch Fachsemester für die Mehrdimensionalität bei der Beantwortung gesellschaftlicher Fragestellungen sensibilisiert werden.

Methodisch wird dies durch ein Gruppenpuzzle umgesetzt. Aus dem Leitthema des Moduls werden Kernthemen abgeleitet, die die Studierenden selbstständig in Gruppen bearbeiten. Ergänzt wird die Auseinandersetzung mit den Kernthemen durch die Betrachtung von Querschnittsthemen, die auf alle Kernthemen wirken – z.B. gesellschaftliche Transformationsprozesse, Ethik und ökonomische Aspekte. Die jeweils für ein Thema verantwortliche Lehrperson leitet die Gruppenarbeit an und steht für Rückfragen der Studierenden zur Verfügung.

Nach einer Erläuterung der Hintergründe, des Modulkonzepts und der Rahmenbedingungen berichten die zwei Modulverantwortlichen von ihren Erfahrungen mit diesem Lehrprojekt. Sie stellen Mehrwerte für sie als Lehrpersonen aus dem MINT- Bereich sowie für die Studierenden dar und zeigen Hindernisse in der Konzeption und Durchführung des Moduls auf. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Reflexion der interdisziplinären Zusammenarbeit im Lehrendenteam sowie in den studentischen Arbeitsgruppen. Zudem schildern sie, wie der „Lernort Traditionssegler“ das Engagement in der Mitarbeit am Modul sowie das Lernen beeinflusst. So wird z.B. die aktive Teamarbeit durch die Wahrnehmung der Verantwortung und der anfallenden Aufgaben im Bordalltag eines Traditionssegelschiffes zusätzlich gefördert. In hohem Maße werden dabei die Bedeutung von Kommunikations- und transparenter Verantwortungsteilung herausgearbeitet und erfahrbar.

Wie sich das auch auf die persönliche Entwicklung der Studierenden auswirkt, wenn man eigene sowie äußere Grenzen reflektieren muss und dabei auch thematisch „über den Tellerrand blickt“, stellt eine teilnehmende Studierende vor. Dabei wird ebenso thematisiert, welche neuen Perspektiven sich in der Interaktion aller Beteiligten eröffnen.

Studieren unter Segeln - Die Perspektive der Gesundheitswissenschaften
Prof. Dr. Katharina Scheel (FH Kiel)

Im Gesundheitsbereich spielt die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg eine wichtige Rolle, denn bei der Behandlung von Patient*innen kann selten eine Disziplin alle Antworten geben. In zunehmendem Maße finden daher Themen wie das Selbstverständnis der eigenen Disziplin, Rollenklärung, Grenzen der eigenen Disziplin sowie Offenheit und Vertrauen in den Beitrag bzw. die Perspektive anderer Disziplinen Eingang in die Ausbildung der Studierenden der Gesundheitswissenschaften, z.B. im Studiengang Physiotherapie. Inwiefern lassen sich diese Aspekte interdisziplinärer Zusammenarbeit in ein fachübergreifendes Modul wie „Studieren unter Segeln“ einbringen?

Durch Kommunikation der Studierenden innerhalb des Teams und durch den Austausch der verschiedenen Teams untereinander lernen die Studierenden beispielsweise, die Auswirkungen ihres beruflichen Handelns zu reflektieren und sie in einen gesellschaftlichen Kontext zu setzen. Sie nehmen fallbezogen einen ethisch verantwortungsvollen Standpunkt im Diskurs mit anderen Personen ein und können diesen argumentativ nachvollziehbar und dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand entsprechend korrekt vertreten.

Dieser Beitrag berichtet aus der Fachperspektive einer Lehrenden der Gesundheitswissenschaft über die Erfahrungen mit diesem Lehrprojekt und stellt den Mehrwert für sie als Lehrperson sowie für die Studierenden dar. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Thema „Ethik“. Dieser Beitrag ergänzt den ersten Beitrag um eine weitere fachwissenschaftliche Perspektive.