In
Donnerstag, 03.11.22 / 14:30-16:30 / FH-C03-0.02
Symposium
Ebene der Lehrentwicklung
Räume für zukunfts- und kompetenzorientierte Lehrqualifizierung im Sinne der SDGs
Nora Große (Freie Universität Berlin, Deutschland), Mandy Singer-Brodowski (Freie Universität Berlin / Institut Futur), Christoph Koch (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
Hochwertige Bildung; Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE); Kompetenzbildung; Zukunftsorientierung; Kollegiale Beratung

Die Entwicklung und Umsetzung hochschuldidaktischer Fortbildungen mit Fokus auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Die Formate reichen von kompakten Tagesworkshops bis zu mehrstufigen Zertifikaten mit dem Ziel, Lehrende aller Fächer für BNE-Kompetenzen zu sensibilisieren und zur Umgestaltung ihrer Lehre zu inspirieren. Dabei sind konzeptionelle und institutionelle Herausforderungen vorprogrammiert, z.B. im Eingehen auf heterogene (B)NE-Verständnisse und Zielgruppenbedarfe.

Die Einzelvorträge im ersten Teil speisen sich aus Universitäten, die in der Erprobung ihrer Formate auf teils ähnliche, teils spezifische Herausforderungen gestoßen sind. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt setzte 2018-2021 eine dreistufige Qualifizierung um; die Freie Universität erprobt seit 2019 kollegiale Beratung und seit 2021 Tagesworkshops mit unterschiedlichen BNE-Zugängen.

Der zweite Teil dient dem Erfahrungsaustausch mit BNE-orientierter Lehrqualifizierung und der Identifikation von Gelingensbedingungen und Bedarfen an zukünftige Angebote. Möglicherweise entstehen Synergien oder hochschulübergreifende Kooperationen zwischen den Teilnehmenden.

Folgende Fragen stehen im Fokus:

• Wie kann BNE-orientierte Lehrqualifizierung gestaltet sein, um an die Vorkenntnisse, Bedarfe und Ressourcen der Teilnehmenden anzudocken?

• Was brauchen Lehrende für eine zukunftsorientiertere Lehre und welches Bildungsverständnis liegt einer dazugehörigen Lehrqualifizierung zugrunde?

• Welche Angebote braucht es, damit Lehrende das Gelernte langfristig umsetzen und dabei kontinuierlich reflektieren und weiterentwickeln? Wie kann der Qualifizierungsprozess bzw. die Wirkung der Fortbildung gemessen werden?

• Welche Kooperationen, Synergien und Finanzierungsformen sind möglich, um nicht das Rad neu zu erfinden und entwickelte Angebote effektiv und zugänglich einzusetzen? Welche Erfahrungen, Angebote und Netzwerke sind bereits im Raum?

• Wie können wir BNE-Qualifizierungsangebote attraktiv bewerben und kommunizieren? Sind „BNE“ und „SDGs“ die bestmöglichen Zugänge?

BNE als expliziter oder impliziter Rahmen zukunftsorientierter Lehrqualifizierung?
Nora Große (Freie Universität Berlin, Deutschland)

Die Freie Universität Berlin bekennt sich seit 2016 zur Verankerung von Nachhaltigkeitsprinzipien in den Bereichen Forschung, Lehre, Wissenstransfer und Campusmanagement im Sinne der SDGs und des Whole Institution Approach (Klimanotstandserklärung, 2019; Nachhaltigkeitsleitbild, 2016). Im Handlungsfeld Lehre inkludiert dies die breite Integration von Nachhaltigkeitsinhalten in die Curricula sowie die Umsetzung des BNE-Konzepts. Die Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie koordiniert dazu eine fachbereichsübergreifende AG Lehre, die bereits verschiedene BNE-Formate mitentwickelt hat. So ist der Kompetenzbereich Nachhaltige Entwicklung – ein Wahlmodulbereich für Bachelorstudierende in der Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV) – ein Experimentierfeld für interdisziplinäres, projektbasiertes und transformatives Lernen geworden. Begleitend wird seit 2019 ein kollegiales Beratungsformat angeboten, in dem sich ABV-Lehrende zu ihren Seminarkonzepten und Methoden austauschen können. Die Erfahrungswerte sollen nun in die Entwicklung eines FU-weiten BNE-Lehrqualifizierungsformats fließen. Zudem ist die Verzahnung mit einer Online-Lehr-Lern-Toolbox geplant. Als Pilot wurde 2021 erstmals ein BNE-Tagesworkshop in Kooperation mit dem Dahlem Center for Academic Teaching (DCAT) und dem Institut Futur angeboten – mit gemischter Bilanz: Die Teilnehmendenzahl war begrenzt; BNE-Kompetenzraster wurden unterschiedlich hilfreich und verständlich bewertet; konkrete Methoden wurden sehr begrüßt; für eine sichere Umsetzung in der eigenen Lehre gab es jedoch Vorbehalte oder begrenzte Ressourcen.

Der Einzelbeitrag wird auf erste Konzeptionen und Erfahrungen aus dem ABV-Beratungsformat, dem Tagesworkshop sowie der Online-Toolbox eingehen und erste Ideen bzw. Szenarien für eine FU-weite Fortbildung zur Diskussion stellen. Die vorgestellten Ergebnisse sind also Work-in-Progress und offen für Feedback, Vernetzung und Kooperation mit Co-Entwickler*innen und potentiellen Zielgruppen.

Challenge Quality Education – Hochwertige Bildung reflektieren und herausfordern mit BNE-Konzepten im FOLE-BNE-Projekt
Christoph Koch (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Soll Bildung für nachhaltige Entwicklung in Studium und Lehrerbildung in Bayern verankert werden, steht dies im Spannungsfeld zwischen innovativen, komplexen Ansprüchen an hochwertige Bildung sowie individueller Zugänglichkeit und begrenzenden strukturellen Vorgaben. Die interdisziplinär offene, thematisch ungebundene Konzeption der BNE-Fortbildungsmodule im Projekt FOLE-BNE-Bay (finanziert durch das bay. StMUV 2018-2021) will Transformationsansätze in die Breite der Hochschullehrenden-Landschaft tragen. Die Teilnehmenden erkennen Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung, exemplarische Methoden und Anknüpfungspunkte zu ihrer Lehre. Sie reflektieren ihre thematische Strukturierung auf Grundlage eines kompetenz- und BNE-orientierten Ansatzes.

Die Fortbildung besteht aus drei Modulen: Im Basismodul werden die Teilnehmenden für die Herausforderungen der globalen Umwelt- und Sozialgerechtigkeit sensibilisiert und ausgewählte, aktuelle Konzepte nachhaltiger Entwicklung dargestellt. Anschließend werden Kriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung erarbeitet. In Anlehnung an das Berliner Modell liegt der Fokus auf BNE-geeigneten Themen, Methoden, Medien und Intentionen. Im Aufbaumodul entwerfen die Teilnehmenden Visionen für ihre eigene Lehre und für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Hochschule im Sinne eines Whole Institution Approach und bewerten diese. Das BNE-Coaching ist ein Angebot, das Teilnehmende darin individuell begleitet, BNE-Bildungsprozesse zu gestalten und zu reflektieren.

Die Angebote im Projekt FOLE-BNE-Bay wurden entwickelt entlang einem adaptierten Kompetenzmodell zur professionellen Handlungskompetenz von BNE-Akteur*innen und Multiplikator*innen, das auf dem Kompetenzmodell der COACTIV-Studie bei Lehrerkräften basiert. Die Wirkung der Fortbildungen wurde quantitativ und qualitativ evaluiert (Hemmer et al., 2022). Der Fokus dieses Vortrags liegt jedoch in den Erfahrungen zur Einführung der Module in die Hochschuldidaktik-Räume an bayerischen Universitäten.